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Tagung

Gentechnik durch die Hintertür?
Aktionsbündnis gentechnikfreie Landwirtschaft und Heinrich Böll Stiftung
diskutieren neue Züchtungsmethoden im Pflanzenbau

Tagung am 14. April 2016 inStuttgart



Unter dem Titel „Gentechnik durch die Hintertür? Neue Züchtungsmethoden im Pflanzenbau“ luden das Aktionsbündnis Gentechnikfreie Landwirtschaft in Baden-Württemberg und die Heinrich Böll Stiftung Baden-Württemberg nach Stuttgart ein. Rund 40 Teilnehmende diskutierten die Impulse hochkarätiger Expertinnen aus dem In- und Ausland zu dem komplexen und politisch hochbrisanten Thema „Neue Züchtungsmethoden“ und deren Auswirkungen auf die Land- und Ernährungswirtschaft.

Die „klassische“ Agro-Gentechnik wird in den letzten Jahren verstärkt von neuen molekularen Technologien ein- und überholt. Neuartige Produkte wie zum Beispiel der Raps der Firma Cibus drängen auf den Markt, bevor Klarheit über die mittel- und langfristigen Folgen der Verfahren besteht. Forschung, Entwicklung und Anwendung stehen ganz am Anfang. Gleichzeitig scheinen sich die Grenzen der Machbarkeit zu erweitern.

Dies verleiht den neuen Technologien einen geradezu revolutionären Anstrich.
In diesem Spannungsfeld stellte Frau Dr. Alexandra Ribarits, Expertin für gentechnisch veränderte Organismen bei der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) die neuen Verfahren, deren rechtlichen Rahmen sowie Chancen und Risiken möglicher Anwendungsbereiche dar. „Das bestehende Rechtssystem und die darin formulierte Definition einer gentechnischen Veränderung kann den heutigen Stand der Wissenschaft und Technik nicht in vollem Umfang regeln", so Ribarits. "Die Chancen durch neue Züchtungstechniken gehen weit über die bisherigen Möglichkeiten für die Sortenentwicklung hinaus. Allerdings dürfen bei aller Euphorie etwaige, uns heute noch nicht bekannte Risiken, nicht außer Acht gelassen werden" betonte Ribarits.

Im Anschluss referierte Frau Dr. Eva Gelinsky, Koordinatorin der schweizer
Interessengemeinschaft für gentechnikfreie Saatgutarbeit über den Einfluss der neuen Technologien auf den gentechnikfreien Saatgutmarkt. „Gentechnikfrei arbeitende Betriebe benötigen Transparenz über die in der Sortenentstehung verwendeten Verfahren. Daher ist eine umfassende, lückenlose Deklarationspflicht für die neuen Technologien bei Saat- und Pflanzgut einzuführen“, fordert Frau Dr. Gelinsky im Rahmen ihres Vortrags.

Zwei weitere Referenten gingen insbesondere auf die Bedeutung der neuen Züchtungsmethoden für den ökologischen Landbau ein. Sehr eindeutig positionierte sich Dr. Friedhelm von Mering vom Bund Ökologische Lebensmittel e.V.: „Für die ökologische Lebensmittelwirtschaft ist die Frage der Einstufung der neuartigen Verfahren keine akademische Übung, sondern eine existenzielle Frage. Wir wollen und wir brauchen nicht noch mehr Technologien zur DNA-Manipulation in der Züchtung, sondern endlich eine angemessene Unterstützung und Forschungsförderung für eine ganzheitlich orientierten Öko-Züchtung. Zudem gilt es klare Kennzeichnungspflichten im Gentechnik-Recht zu verankern.“

Den Abschluss bildete eine handlungsorientierte Gesprächsrunde mit dem Titel
„Was heißt hier Gentechnik?!“.
Für die Sprecher des Aktionsbündnisses und die Heinrich Böll Stiftung Baden-Württemberg kam die Veranstaltung genau zum richtigen Zeitpunkt: „Unser Anliegen zu informieren, aufzuklären und die Diskussion hier in Baden-Württemberg auf breiter Basis voranzubringen ist voll aufgegangen“, so Wolfgang Schleicher, Bündnissprecher und Geschäftsführer des Katholischen Landvolks und Annette Goerlich von der Heinrich Böll Stiftung Baden- Württemberg: „Eine differenzierte Auseinandersetzung mit diesen neuen technischen Entwicklungen ist Voraussetzung dafür, dass sich die Zivilgesellschaft aktiv in die gesellschaftliche Debatte einmischen kann, die wir jetzt brauchen.“

Für die beiden weiteren Bündnissprecher steht die Position des Bündnisses außer Frage:
„Das Leben lässt sich nicht programmieren wie ein Computerprogramm, das ist auch den Wissenschaftlern klar“, sagte Dr. Christian Eichert, Bündnissprecher und Geschäftsführer von Bioland Baden-Württemberg. „Unsere Natur und unsere Kulturpflanzen stehen in zahllosen Wechselwirkungen, bei welchen die Steuerung durch die Gene ein wichtiges Element ist. Diese Naturgesetze gilt es bei der natürlichen Weiterentwicklung von Pflanzen und Tieren durch Züchtung zu bewahren und zu berücksichtigen. Allerdings muss in diesem Bereich noch sehr viel mehr investiert werden, um im Gesamtsystem einer nachhaltigen, ökologischen und vom Verbraucher akzeptierten Landwirtschaft voranzukommen“, so Eichert.

Um zu verhindert, dass Züchtungsunternehmen durch neue Methoden wie z.B.
CRISPR/Cas die Gentechnikgesetzgebung umgehen, sieht Gottfried May-Stürmer, Bündnissprecher und Agrarreferent des BUND Baden-Württemberg, die neue Landesregierung in der Pflicht: „Hier muss auf eine klare Einordnung der neuen Techniken unter die Gentechnikgesetzgebung gedrängt werden. Eindeutige Positionen sind gefragt, Enthaltungen sind keine Lösung!“


Beitrag im SWR über die Züchtungstagung