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Kennwort
"Gentechnik-freie Landwirtschaft"
Sparkasse
Singen-Radolfzell
Konto-Nr. 4 088 100
BLZ 692 500 35
 

Positionen zur Agro-Gentechnik
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1. Die Risiken der Agro-Gentechnik für Menschen und Ökosysteme sind nicht beherrschbar

Die komplexen Wechselwirkungen und Langzeitfolgen für Menschen und Ökosysteme sind nach wie vor ungewiss. Die bisher gewonnenen Erkenntnisse über die Anwendung der Agro-Gentechnik geben Anlass zur Besorgnis: genveränderte Pflanzen kreuzen sich mit verwandten Wild- und Kulturformen. Dies ist räumlich nicht beherrschbar, da Bienen und Wind den Pollen über die Feldgrenzen hinweg tragen, bei Raps über 20 km weit! Der Durchwuchs von gentechnisch veränderten Kulturpflanzen führt zu Problemen in den nachfolgenden Kulturen.
Durch die Auskreuzung von genverändertem Pflanzgut können bedrohte Arten aussterben, aber auch weitere Arten neu bedrohten werden.
Einmal freigesetzt, können diese Pflanzen nicht mehr zurückgeholt werden. Ein effizienter Schutz vor Kontamination durch gentechnisch veränderte Pflanzen ist nicht möglich.
Selbstverständlich birgt der Einsatz von Gentechnik bei „Nachwachsenden Rohstoffen“ und zur „Energiegewinnung“ die gleichen Risiken für die Ökosysteme, wie die Produktion gentechnisch veränderter Rohstoffe für Nahrungs- und Futtermittel.


2. Agro-Gentechnik bietet keine Vorteile

Erhebungen aus den USA und anderen Ländern zeigen, dass die propagierten Vorteile der herbizid- und insektenresistenten Sorten, wie bspw. die Einsparung von Pestiziden, nur von kurzer Dauer sind. Bereits nach wenigen Anbauperioden haben sich resistente Unkraut- oder Insektenmutanten gebildet, welche den benötigten Pestizideinsatz erheblich erhöhen. Zudem wirkt sich der Anbau von herbizid- und insektenresistenten Pflanzen negativ auf die Artenvielfalt von Flora und Fauna aus. Transgene Pflanzen mit spezifischen Inhaltsstoffen für Ernährung, Arzneimittel und Industrie können zwar ihren Nutzen haben, aber dies rechtfertigt nicht die damit eingehenden Risiken. Ein vielfältiges Angebot an industriellen Rohstoffen und die Möglichkeit sich ausgewogen und gesund zu ernähren sind aber bereits vorhanden.


3. Gentechnikfreie Landwirtschaft braucht einen wirksamen Schutz

Die strukturelle und kleinräumige Vielfalt der baden-württembergischen Landwirtschaft macht die Koexistenz von Landwirtschaftsformen mit und ohne Gentechnik unmöglich. Der Einsatz von Agro-Gentechnik ist eine Gefahr für das friedliche Zusammenleben im ländlichen Raum.
Die bestehenden Anbauregelungen zum Schutz vor unkontrollierter Ausbreitung gentechnisch veränderter Pflanzen sind völlig unzureichend. Es ist zu befürchten, dass sich gentechnisch verändertes Erbgut schrittweise in allen landwirtschaftlichen Nutzpflanzen - vom Saatgut bis zu den Erzeugnissen - wiederfinden.
Dazu gehört auch, dass die Reinheit des Saatgutes gewährleistet wird. Gentechnikfreies Saatgut ist Voraussetzung für eine gentechnikfreie Landwirtschaft. Eine Saatgut-Richtlinie der EU, die durch einen Schwellenwert gentechnische Verunreinigungen zulässt, schließt gentechnikfreie Lebensmittel und eine Landwirtschaft ohne gentechnisch veränderte Pflanzen von vornherein aus. Deshalb fordern wir die Nulltoleranz für Verunreinigungen im Saatgut.


4. Gentechnik-Firmen müssen für die Folgen haften

Immer wieder werden im Saatgut Kontaminationen gefunden. Angesichts vieler möglicher Kontaminationspfade (Saatguterzeugung, -verpackung und -transport, Freisetzungsversuche, Verarbeitung, Handel) muss das Verursacherprinzip auf allen Ebenen verankert werden. Das schließt die notwendigen Kontroll- und Sicherheitskosten sowie die möglichen Folgeschäden dieser Risikotechnologie ein. Landwirte, Lebensmittelhersteller und Saatgut- und Futterhändler, die ohne Gentechnik wirtschaften, dürfen hiermit nicht belastet werden. Vielmehr müssen die Gentechnik-Firmen die Verantwortung für ihre Produkte, und auch die damit verbundene Haftung übernehmen.


5. Entscheidungsfreiheit der Verbraucher/Verbraucherinnen muss gewährleistet werden

Europaweit spricht sich die große Mehrheit der Verbraucher gegen den Einsatz der Gentechnik in der Landwirtschaft und in Lebensmitteln aus. Verbraucher müssen selbst entscheiden können, ob sie „Gentechnik“ essen. Der Gesetzgeber muss dem Rechnung tragen und die Existenz der gentechnikfreien Landwirtschaft langfristig sichern. Die Wahlfreiheit des Verbrauchers ist durch die bestehende EU-Kennzeichnungsverordnung über gentechnisch veränderte Lebens- und Futtermittel nicht gewährleistet. Lebensmittel von Tieren, die mit gentechnisch veränderten Futtermitteln gefüttert werden, sind derzeit von der Kennzeichnungspflicht ausgenommen. Diese Lücke muss vom Gesetzgeber so schnell wie möglich geschlossen werden.
Der Verbraucher hat derzeit die Möglichkeit, sich an der Kennzeichnung „ohne Gentechnik“ zu orientieren. Auch die Verbraucher sind in der Pflicht. Mit ihrem Einkaufsverhalten entscheiden sie tagtäglich, ob die Bäuerinnen und Bauern weiterhin gentechnikfrei produzieren können.


6. Baden-Württemberg braucht keine Agro-Gentechnik

Eine regionale, kleinräumige Landwirtschaft in Baden-Württemberg bedient die Wünsche der Verbraucher nach qualitativ hochwertigen Lebensmitteln sinnvoll und nachhaltig. Insbesondere der ökologische Landbau hat sich in seinen Richtlinien dazu verpflichtet, keine Gentechnik im Pflanzenbau, der Tierhaltung und der Verarbeitung von Lebensmitteln einzusetzen. Auch landeseigene konventionelle Markenprogramme, wie beispielsweise das Zeichen „Geprüfte Qualität aus Baden-Württemberg“, verbieten den Einsatz von Gentechnik auf dem Acker und auf dem Teller. Im standortgerechten Landbau liegen – vor allem in Verbindung mit regionalen Vermarktungsstrukturen – große Potenziale für die heimische, mittelständische Wirtschaft. Gentechnikfreie Lebensmittel haben ein großes Absatzpotential. Die Agro-Gentechnik dient dagegen vor allem den Interessen von wenigen, weltweit agierenden Konzernen und einer industriellen Landwirtschaft.
Die baden-württembergische Landesregierung muss die Produktion gentechnikfreier Lebensmittel weiterhin gewährleisten.


7. Gentechnik ist kein Mittel zur Bekämpfung des Welthungers

Die Ursachen für die weltweite Mangel- und Fehlernährung sind komplex und liegen vor allem in mangelnder Bildung sowie ungerechten Macht-, Besitz- und Handelsstrukturen. Mit einer nachhaltigen Landwirtschaft und damit verbundenen standortangepassten Anbauverfahren, sowie vielfältigen Kulturen lässt sich der Welthunger effektiver bekämpfen. Der eindimensionale Ansatz der Agro-Gentechnik greift vielfach zu kurz. Darüber hinaus sind Produktionssysteme mit patentgeschütztem, transgenem Saatgut kostenintensiv und schaffen für Bäuerinnen und Bauern zusätzliche Abhängigkeits- und Verschuldungsrisiken. Insbesondere die Vergabe geistiger Eigentumsrechte auf gentechnologische Innovationen stärkt die Monopolstellung der Gentechnik-Unternehmen und schränkt die Verfügungsrechte der Bäuerinnen und Bauern ein. Nachbau und eigenständige Weiterzucht ist bei gentechnisch verändertem Saatgut nicht möglich.