Home  
  Positionspapier  
  Pressemitteilung  
  Kontakt  
  Über uns  
  Links  
  Impressum  
   
 
Unterstützen sie die Organisation durch eine Spende:
 
  Fördergemeinschaft organisch-biologischer
Land- und Gartenbau Baden-Württemberg e.V. (FÖG),
Kreissparkasse Nürtingen
Verwendungszweck „Aktionsbündnis“
Kto.-Nr. 10177576
BLZ 61150020
 

Positionen zur Agro-Gentechnik
PDF-Download

1. Die Risiken der Agro-Gentechnik für Menschen und Ökosysteme sind nicht absehbar

Die Folgen der Ausbringung von gentechnisch veränderten Nutzpflanzen in kleinräumige Agrarökosysteme sind nicht ausreichend erforscht. Die bisher durchgeführten Untersuchungen (Erprobungsanbau mit Bt-Mais u.a.) reichen nicht aus, um die sog. Koexistenz (Nebeneinander von Landwirtschaftsformen mit und ohne Gentechnik), geschweige denn die komplexen Wechselwirkungen und Langzeitfolgen für Menschen und Ökosysteme zu beurteilen. Im Gegenteil geben die bisher gemachten Erfahrungen mit dem Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen Anlass zur Besorgnis. Transgene Pflanzen kreuzen sich mit verwandten Wild- und Kulturformen. Bienen und Wind tragen Pollen über die Feldgrenzen hinweg – bei Raps über 20 km weit. Einmal freigesetzt, können diese Pflanzen nicht mehr zurückgeholt werden. Erhebungen aus den USA und anderen Ländern zeigen, dass die propagierten Vorteile der herbizid- und insektenresistenten Sorten, wie bspw. die Einsparung von Pestiziden, nur von kurzer Dauer sind. Bereits nach wenigen Anbauperioden haben sich resistente Unkraut- oder Insektenmutanten gebildet, wodurch der Pestizideinsatz erheblich ansteigt. Auch der Durchwuchs von resistenten Kulturpflanzen führt zu Problemen. Zudem wirkt sich der Anbau von herbizid- und insektenresistenten Pflanzen negativ auf die Artenvielfalt von Flora und Fauna aus.
Derzeit in Entwicklung sind transgene Pflanzen mit spezifischen Inhaltsstoffen für Ernährung, Arzneimittel und Industrie. Herkömmliche Züchtungsmethoden und Pflanzen liefern aber schon heute ein vielfältiges Angebot an industriellen Rohstoffen und die Möglichkeit sich ausgewogen und gesund zu ernähren. Der Einsatz der Agro-Gentechnik mit ihren unkalkulierbaren Risiken ist hier fehl am Platz.

2. Die Landwirtschaft in Baden-Württemberg braucht einen wirksamen Schutz

Konventionelle Landwirte und Öko-Landwirte, die selbst keine gentechnisch veränderten Pflanzen einsetzen, bewirtschaften ihre Felder nicht unter einer Glasglocke, sondern sind den Einflüssen der Umwelt ausgesetzt. In der strukturellen Vielfalt der baden-württembergischen Landwirtschaft ist Koexistenz nicht möglich, sondern vielmehr eine Gefahr für das friedliche Zusammenleben im ländlichen Raum.
Deshalb sind europaweit strenge Anbauregelungen zum Schutz vor unkontrollierter Ausbreitung gentechnisch veränderter Pflanzen erforderlich. Ansonsten ist zu befürchten, dass sich gentechnisch veränderte Bausteine in wenigen Jahren in allen landwirtschaftlichen Nutzpflanzen - vom Saatgut bis zu den Erzeugnissen - und vielen Wildpflanzen wiederfinden. Insbesondere Pflanzen, die vom Aussterben bedroht sind, bedürfen eines effizienten Schutzes gegen die Kontamination durch gentechnisch veränderte Pflanzen.
Das neue Gentechnik-Gesetz bietet einen noch unzureichenden Rahmen zur Sicherung der Gentechnik-freien Landwirtschaft. In den angekündigten Rechtsverordnungen muß dieser weiter präzisiert werden.

3. Gentechnik-Firmen müssen für die Folgen haften

Wer gentechnisch veränderte Pflanzen aussät, muß die Garantie dafür übernehmen, dass es nicht zur Kontamination von unbeteiligten Böden, Pflanzen und Tieren kommt. Angesichts vieler möglicher Kontaminationspfade (Saatgut, Produktion, Verarbeitung, Handel) muß das Verursacherprinzip auf allen Ebenen verankert werden. Es kann nicht sein, dass die notwendigen Kontroll- und Sicherheitskosten sowie mögliche Folgeschäden dieser Risikotechnologie gerade die Landwirte und Lebensmittelhersteller belasten, die ohne Gentechnik wirtschaften. Vielmehr müssen die Saatzuchtunternehmen die Verantwortung für ihre Produkte und damit auch die Haftung übernehmen.

4. Verbraucher wollen keine gentechnisch veränderten Lebensmittel

Europaweit spricht sich die große Mehrheit der Verbraucher gegen den Einsatz der Gentechnik in Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion aus. Sie möchten selbst entscheiden können, ob und wann Sie „Gentechnik“ essen und wann nicht. Der Gesetzgeber muß dem Rechnung tragen und die Existenz einer Gentechnik-freien Landwirtschaft langfristig sichern. Dazu gehört auch, dass die Reinheit des Saatgutes gewährleistet wird. Gentechnik-freies Saatgut ist Voraussetzung für eine Gentechnik-freie Landwirtschaft. Die derzeit geplante Saatgut-Richtlinie der EU, die gentechnische Verunreinigungen zwischen 0,3% und 0,7% ohne Kennzeichnung vorsieht, schließt Gentechnik-freie Lebensmittel und eine Landwirtschaft ohne gentechnisch veränderte Pflanzen von vorneherein aus. Die garantierte Gentechnik-Freiheit von Produkten und die Wahlfreiheit der Verbraucher wäre somit unmöglich. Deshalb ist das politische Gebot der Stunde ein Reinheitsgebot für Saatgut.

Die EU Kennzeichnungsverordnung über gentechnisch veränderte Lebens- und Futtermittel soll den Herstellungsprozeß transparent machen und Orientierungshilfen bei der Kaufentscheidung geben. Doch leider weist die neue Kennzeichnungsvorschrift Lücken auf. Lebensmittel von Tieren, die mit gentechnisch veränderten Futtermitteln gefüttert werden, sind von der Kennzeichnung ausgenommen. Diese Lücke muß vom Gesetzgeber so schnell wie möglich geschlossen werden, damit der Gentechnik-Einsatz auch bei Milch, Fleisch und Eiern deutlich erkennbar wird.
Aber auch die Verbraucher sind in der Pflicht. Mit ihrem Einkaufsverhalten entscheiden sie tagtäglich, ob die Bauern und Bäuerinnen weiterhin Gentechnik-frei produzieren können.

5. Die Landwirtschaft in Baden-Württemberg braucht keine Agro-Gentechnik

Eine regionale Landwirtschaft bedient die Wünsche der Verbraucher nach qualitativ hochwertigen Lebensmitteln sinnvoll und nachhaltig. Insbesondere der ökologische Landbau hat sich in seinen Richtlinien dazu verpflichtet, keine Gentechnik im Pflanzenbau, der Tierhaltung und der Verarbeitung von Lebensmitteln einzusetzen. Aber auch landeseigene konventionelle Markenprogramme, wie beispielsweise das Zeichen „Geprüfte Qualität aus Baden-Württemberg“, verbieten den Einsatz von Gentechnik auf dem Acker. Im standortgerechten Landbau liegen – vor allem in Verbindung mit regionalen Vermarktungsstrukturen – große Potenziale für die heimische, mittelständische Wirtschaft. Die Agro-Gentechnik dient dagegen vor allem den Interessen von wenigen, weltweit agierenden Konzernen und einer industriellen Landwirtschaft.
Die baden-württembergische Landesregierung trägt eine große Verantwortung für die baden-württembergische Landwirtschaft und die Produktion Gentechnik-freier Lebensmittel, die von einer Mehrheit der Verbraucher gewünscht wird. Die Absatzpotenziale der heimischen Landwirtschaft, die fast ausschließlich in Gentechnik-freien Produkten liegen, darf die Landesregierung nicht auf’s Spiel setzen.

6. Gentechnik ist kein Mittel zur Bekämpfung des Welthungers

Die Ursachen für die weltweite Mangel- und Fehlernährung sind komplex und liegen vor allem in ungerechten Macht- und Handelsstrukturen. Empirische Studien zeigen, dass zur Ernährungssicherung eine Vielzahl von Maßnahmen notwendig sind, die auf einer nachhaltigen Landwirtschaft mit standortangepassten Anbauverfahren und vielfältigen Kulturen basieren. Der eindimensionale Ansatz der Agro-Gentechnik greift vielfach zu kurz. Darüber hinaus sind Produktionssysteme mit patentgeschütztem, transgenem Saatgut kostenintensiv und schaffen für Bauern und Bäuerinnen zusätzliche Abhängigkeits- und Verschuldungsrisiken. Insbesondere die Vergabe geistiger Eigentumsrechte auf gentechnologische Innovationen stärken die Monopolstellung der Gentechnik-Unternehmen und schränken die Verfügungsrechte der Bauern und Bäuerinnen ein. Nachbau und eigenständige Weiterzucht ist bei gentechnisch verändertem Saatgut nicht möglich.


Das Aktionsbündnis fordert von der Landesregierung Baden-Württemberg:

  • daß sie alle Spielräume nutzt, um auch in Zukunft in Baden-Württemberg eine Gentechnik-freie Landwirtschaft zu ermöglichen,

  • daß sie die ungelösten Probleme und Risiken hinsichtlich der Koexistenz von Landwirtschaftsformen mit und ohne Gentechnik aufgreift und von den Befürwortern der Gentechnik Antworten und praktikable Lösungen einfordert,

  • daß sie sich für die Kennzeichnungspflicht von tierischen Lebensmitteln einsetzt, wenn diese mit gentechnisch veränderten Futtermitteln erzeugt wurden,

  • daß sie sich für eine Nachweisgrenze von 0,1 % gentechnisch bedingten Verunreinigungen bei herkömmlichem Saatgut einsetzt,

  • daß beim Zeichen „Geprüfte Qualität aus Baden-Württemberg“ Gentechnikfreiheit auch beim Futter gewährleistet wird,

  • daß der Anbau von GVO in Naturschutzgebieten und NATURA 2000 Gebieten verboten wird,

  • daß sie keine einseitige Info-Kampagnen für die Agro-Gentechnik unterstützt, sondern die Bürger umfassend über Alternativen informiert

AbL Baden-Württemberg ++ Aktionsbündnis Gentechnik-freie Region Oberrhein ++ Attac Stuttgart/Tübingen/Freiburg (AG Landwirtschaft) ++ Bioland Baden-Württemberg ++ Bodensee Stiftung ++ BUND Baden-Württemberg ++ Dachverband Entwicklungspolitik Baden Württemberg ++ Demeter Baden-Württemberg ++ Deutscher Erwerbs- und Berufsimkerbund ++ Eurotoques ++ Evangelisches Bauernwerk in Württemberg ++ Evangelische Jugend auf dem Lande in Württemberg (ejl) ++ Forum Pro Schwarzwaldbauern ++ Greenpeace Gruppe Stuttgart/Esslingen/Freiburg ++ gepa Fair Handelshaus ++ Katholische Landjugendbewegung Rottenburg-Stuttgart ++ Katholische Landjugendbewegung der Erzdiözese Freiburg ++ LandFrauenverband Südbaden ++ Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg (LNV) ++ LandFrauenverband Württemberg-Baden ++ NABU Baden-Württemberg ++ Naturland Süd-West ++ Nürtinger Bündnis für gentechnikfreie Landwirtschaft und Lebensmittel ++ Verband Katholisches Landvolk e.V. ++ Verbraucherzentrale Baden-Württemberg e.V. ++ Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt ++ Naturheilverein Spechbach e.V

Weitere Informationen finden Sie unter:

www.transgen.de
www.saveourseeds.de
www.bioland.de
www.faire-nachbarschaft.de
wwww.bund.net
www.abl-ev.de