Pressemeldung 

Breites Bündnis protestiert in Straßburg

„Gentechnikrecht sichern – keine Patente auf unser Essen!“ 

Esslingen / Straßburg, 16. Juni 2026 – Gemeinsam mit europaweit über 80 Landwirtschafts-, Umwelt-, Verbraucher- und Menschenrechtsorganisationen engagiert sich von Baden-Württemberg ein breites gesellschaftliches Bündnis aus 19 Organisationen der Landwirtschaft, des Natur- und Umweltschutzes sowie der katholischen und evangelischen Kirchen am 16. Juni bei der heutigen Demonstration vor dem Europäischen Parlament in Straßburg. Anlass ist die entscheidende Abstimmung am 17. Juni zur geplanten Deregulierung der neuen Gentechnik (NGT). 

Mit dem vorliegenden Gesetzentwurf droht aus Sicht des Bündnisses ein fundamentaler Systemwechsel: Bewährte Schutzstandards im EU-Gentechnikrecht würden weitgehend abgeschafft – und damit die Grundlage für eine gentechnikfreie und ökologische Land- und Ernährungswirtschaft massiv geschwächt. Verpflichtende Risikoprüfungen, Kennzeichnung und Haftungsregeln könnten für den Großteil zukünftiger Gentechnik-Pflanzen entfallen. „Hier geht es nicht um technische Detailfragen – hier geht es um unsere Ernährung, unsere Höfe und die Freiheit der Verbraucherinnen und Verbraucher“, erklärt Sophie Kraul, Landwirtin im Aktionsbündnis. 

Soziale Folgen: Abhängigkeit statt Vielfalt 

Besonders kritisch sieht das Bündnis die sozialen und wirtschaftlichen Folgen der geplanten Regelung: Mit der Deregulierung droht eine weitere Konzentration der Marktmacht bei wenigen globalen Saatgutkonzernen. Patente auf Pflanzen und genetische Eigenschaften könnten massiv ausgeweitet werden und bäuerliche Betriebe sowie unabhängige Züchtung in neue Abhängigkeiten treiben. 

Schon heute führen Patente dazu, dass Züchtung und Landwirtschaft zunehmend durch Lizenzkosten und rechtliche Risiken belastet werden. Eine weitere Ausweitung könnte – so die Befürchtung – zu steigenden Preisen für Saatgut und langfristig auch für Lebensmittel führen. Gleichzeitig wächst die Gefahr, dass Unternehmen sich genutzte genetische Ressourcen aneignen und kontrollieren – ein Prozess, den Kritiker als „Bio-Piraterie“ bezeichnen. 

„Saatgut ist die Grundlage unserer Ernährung – es darf nicht zum Spekulationsobjekt weniger Konzerne werden“, so Cornelia Wiethaler, Koordinatorin des Bündnisses. Mit dem Wegfall der Kennzeichnung würde zudem die Wahlfreiheit der Verbraucherinnen und Verbraucher verloren gehen: Künftig wäre nicht mehr nachvollziehbar, ob Lebensmittel mit oder ohne Gentechnik produziert wurden. 

Auch ökologische Risiken werden gesehen: Die unkontrollierte Ausbreitung neuer Gentechnik-Pflanzen könnte zu einer weiteren Verdrängung vielfältiger Sorten führen und Monokulturen begünstigen – zulasten der Biodiversität auf den Äckern. 


Aufruf an das Europäische Parlament 

Das Aktionsbündnis fordert die Abgeordneten des Europäischen Parlaments auf, den Gesetzentwurf in dieser Form abzulehnen und das Vorsorgeprinzip zu erhalten. Dazu gehört insbesondere 

  • der Erhalt von Kennzeichnung, Rückverfolgbarkeit und Risikoprüfung
  • der Schutz gentechnikfreier und ökologischer Landwirtschaft, 
  • sowie ein wirksames Verbot der Patentierung von Pflanzen, Saatgut und genetischen Eigenschaften


Bild: Cornelia Wiethaler, Barbara Endraß und Sophie Kraul mit weiteren Vertreterinnen und Vertretern des Aktionsbündnisses vor dem Europarlament in Straßburg. 
Credit: Aktionsbündnis gentechnikfreie Landwirtschaft in Baden-Württemberg

Aktionsbündnis gentechnikfreie Landwirtschaft in Baden-Württemberg, 19 Mitglieder
Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft Baden-Württemberg e.V., AbL 
Aktionsbündnis gentechnikfreie Region Mittlerer Oberrhein 
Bioland Landesverband Baden-Württemberg e.V. 
Bündnis für eine gentechnikfreie Region (um) Ulm
Bündnis gentechnikfreie Region Main-Tauber e.V. 
BUND Landesverband Baden-Württemberg e.V.
Demeter Landesverband Baden-Württemberg e.V.
evangelische Jugend auf dem Land – Württemberg 
Evangelisches Bauernwerk Württemberg e.V. 
Katholische Landbewegung Freiburg 
Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg (LNV)
LandFrauenverband Württemberg Baden e.V. 
Naturfreunde Württemberg
Naturland – Verband für ökologischen Landbau e.V. 
NABU Landesverband Baden-Württemberg e.V.
proBiene – Freies Institut für ökologische Bienenhaltung
Slow Food Deutschland e.V. 
Verband Katholisches Landvolk e.V. 
Ecoland e.V. 

Kontakt:
Sprecherteam: Christoph Zimmer, Barbara Endraß 
Koordinatorin: Cornelia Wiethaler
Telefon: 0155-67206459 

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www.gentechnik-freie-landwirtschaft.de